One-Laptop-Per-Child Austria zu Gast

Christoph Derndorfer von OLPC Austria e.V.

Stellen Sie sich vor, jedes Kind auf dem Planeten hätte Zugang zum Wissen der Welt und zu modernen, digitalen Medien. Einen solchen Zugang könnte ein kleiner, aber äußerst robuster, einfach zu bedienender, mobiler Rechner bieten. Diesen Traum hatte Alan Kay 1968 in seiner visionären Arbeit zum Dynabook, das die Grundidee der heutigen Tablets vorgab.

Alan Kay’s Vision ist drauf und dran Realität zu werden. Er und viele andere Idealisten arbeiten weltweit am One-Laptop-Per-Child-Projekt mit, wodurch bis heute in über 40 Ländern 2,5 Millionen die XO-Laptops verteilt wurden. Auf diesen Geräten aus Open Hardware läuft Open Software: Die Linux-basierte Oberfläche sugar, eine Benutzeroberfläche die speziell für Kinder gestaltet wurde. Für sugar entwickeln seit über einem Jahr Schülerinnen und Schüler des Stiftland-Gymnasiums Lern-Aktivitäten.

Am Donnerstag, dem 4. Juli, besuchte Christoph Derndorfer vom Verein OLPC-Austria aus Wien das Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth. Herr Derndorfer ist seit einigen Jahren in einer praktischen und wirksamen Form der Entwicklungshilfe aktiv: Er war bei der Auslieferung der speziellen XO-Laptops in Uruguay, Paraguay, Peru oder Nepal dabei und schulte in diesen und anderen Ländern Lehrkräfte im Einsatz der Geräte bis hin zu deren Reparatur.

Herr Derndorfer stellte in einem spannenden Vortrag den Schülerinnen und Schülern 9. Klassen des Stiftland-Gymnasiums die OLPC-Initiative vor. Dabei legte er einen besonderen Schwerpunkt auf die Design-Ideen, die hinter den Laptops des Projektes stecken. Eine lange Lebensdauer, ein Bildschirm, der auch im grellen Sonnenlicht so gut lesbar ist wie ein Blatt Papier, automatische Vernetzung bis hin zur wasserdichten Tastatur machen diesen Laptop, der ohne Lüfter auskommt, zu etwas Besonderem. Besonders ist auch, dass kein Unternehmen diese Laptops vermarktet, sondern zwei gemeinnützige Organisationen Entwicklung, Produktion und Verteilung organisieren.

Am Nachmittag besuchte Herr Derndorfer noch das Wahlfach Software-Entwicklung, in dessen Rahmen die Schülerinnen und Schüler Programme für das OLPC-Projekt entwickeln.


Die Abkürzung OLPC steht für one-laptop-per-child, ein Projekt, das 2005 von zwei Professoren vom MediaLab des Massachussets Institute of Technology (MIT), Walter Bender und Nicolas Negroponte, in Boston gegründet wurde. 2007 wurden die ersten der ursprünglich als 100-Laptops angekündigten Geräte in Entwicklungsländern verteilt. Der angezielte Stückpreis von 100$ wurde aber um ca. 60$ verfehlt. Derzeit werden in Australien und Uruguay mehrere 10000 XO-Laptops der neuesten Version ausgeliefert, die auch einen Touchscreen besitzen. Uruguay ist dank des OLPC-Projekts das erste Land weltweit, indem jedes Schulkind einen eigenen Laptop besitzt. Siehe auch http://one.laptop.org/

OLPC ist aber kein reines Laptop-Projekt, sondern ein Bildungsprojekt. In internationalen Kollaborationen werden digitale Medien erstellt, um einen kostenlosen Zugang zu den Lerninhalten zu ermöglichen. Siehe auch http://www.olpcmap.net/

In Deutschland werden zur Zeit an vielen Schulen iPad-Klassen eingerichtet, obwohl mit Stückpreisen von über 500€ und einer wesentlich geringeren Haltbarkeit der Geräte gerechnet werden muss und sie sich quasi nicht reparieren lassen.