Geschichte "kraut-nah" erleben oder Sauerkraut versüßt Geschichtsunterricht

Sauerkraut-Aktion 2017

Geschichtsunterricht. Bei diesem Thema werden bei manchem schlechte Erinnerungen aus der eigenen Schulzeit wach: Öde Jahreszahlen, längst vergangene Ereignisse, nur wenig Bezug zur eigenen Heimat. Kurzum ein Fach, für das man sich als Schüler nur schwer begeistern konnte.

Anders ist es jedoch, wenn der Bezug zur eigenen Region bzw. zu alten Familientraditionen aufgezeigt werden kann, wie dies vor kurzem am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth praktiziert wurde.

Um den Schülern zu zeigen, wie die Menschen bei uns seit Jahrhunderten versuchen, die karge Zeit der Wintermonate zu überbrücken bzw. in kulinarischer Hinsicht abwechslungsreicher zu gestalten, trafen sich Schüler der Klasse 7b vergangene Woche, um am unterrichtsfreien Nachmittag Sauerkraut selber herzustellen.

Sauerkraut-Aktion 2017

Unterstützt wurden sie dabei neben dem zuständigen Fachlehrer Herrn Schoefl auch vom Mitterteicher Stefan Klinger, die zusammen seit Jahrzehnten erfolgreich Kraut einstampfen. Letzterer nahm sich als zuständiger Fachmann extra am Nachmittag frei, um die Schüler in diese alte Familientradition einzuweihen.

Damit die Klasse alle Schritte bei der Krautherstellung praxisnah nachvollziehen konnte, wurde ein großer Holzhobel vom Musiklehrer Heinrich zur Verfügung gestellt, womit die ersten Kohlköpfe kleingehobelt wurden. Nachdem jedoch das Hobeln eines ganzen Zentners Kraut einerseits zu lange gedauert hätte, und dies außerdem wegen der messerscharfen Klingen recht gefährlich ist, bot der Gemüsehändler Andy Kern an, dies für das Projekt zu übernehmen. Wie zu erwarten, war das anschließende eigentliche" Eintreten" des Weißkrauts das Highlight für die Schüler, die von ihren Verwandten und Großeltern schon manche Geschichte darüber gehört hatten. Um ihnen noch die chemischen Abläufe praxisnah zu erklären, die in den kommenden Wochen im Fass unter Luftabschluss ablaufen werden, bereitet der Krummennaaber Bürgermeister und Chemielehrer Uli Roth bereits einen entsprechenden Versuch vor.

Bleibt abzuwarten, wie das Kraut schmecken wird, wenn es in der letzten Schulwoche vor den Weihnachtsferien herausgeholt wird. Saft gab es jedenfalls genug. Jedem Schüler ist auch sein Anteil für die traditionellen Bratwürste am Heilig Abend sicher, und wenn dieser Aktionstag dazu beigetragen hat, bei den Jugendlichen das Bewusstsein für regionale und familieneigene Traditionen zu wecken, dann wäre dies ein Erfolg für einen praxisnahen Geschichtsunterricht der etwas anderen Art.