Ein Appell an die Menschlichkeit

Professor Alexander Fried zu Gast am Stiftland-Gymnasium im April 2017

Als Professor Alexander Fried vor allen Schülerinnen und Schülern der Q11 am Stiftland-Gymnasium aus seiner Vergangenheit berichtete, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Die Jugendlichen folgten gebannt den Schilderungen des Gastes, eines Überlebenden des Holocausts, der angeboten hatte, zu erzählen, was ihm im Dritten Reich widerfahren war.

Hierbei unterstützte den mittlerweile fast 92-Jährigen seine Frau Dr. Dorothea Woiczechowski, die als Interviewpartnerin den Zeitzeugenvortrag strukturierte.

Alexander Fried wuchs in der Slowakei auf, in der er eine glückliche Kindheit verlebte, bevor 1939 die Deutschen die Slowakei besetzten. Ab dieser Zeit erlebte er die Gräuel der Nationalsozialisten mit und musste mit ansehen, wie Freunde und Verwandte deportiert wurden. Sichtlich bewegt berichtete er ebenso von dem Moment, als er nicht verhindern konnte, dass seine Mutter von der Gestapo abgeholt wurde. Sie starb später im KZ Auschwitz, sein Vater im KZ Buchenwald. Er selbst entkam nach eigenen Angaben mehrfach ganz knapp dem Tod, auch als er 1944 ins Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt wurde. Trotz unmenschlicher Verhältnisse überlebte er die Zeit im Lager und musste kurz vor Ende des Krieges an einem Todesmarsch teilnehmen, der an die Ostsee führte, um dort – so die Pläne der Nationalsozialisten – die Menschen auf Kähnen im Meer zu versenken. Dies wurde jedoch dank der Befreiung durch die Rote Armee nie Wirklichkeit.

Es ist Herrn Prof. Alexander Fried gar nicht hoch genug anzurechnen, dass er sich trotz dieser unmenschlichen Erfahrungen, die ihn nach wie vor sichtlich aufwühlen, dazu bereit erklärt, den Schülerinnen und Schülern dieses Leid vor Augen zu führen, um den Jugendlichen, die das Dritte Reich nur aus dem Geschichtsunterricht kennen, zu vermitteln, was die Gräuel des Nationalsozialismus für den einzelnen Betroffenen bedeuteten. Prof. Fried ist es ein großes Anliegen, seine Erlebnisse der jungen Generation weiterzugeben, damit das Unmenschliche nicht vergessen wird. So könne aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt werden, so könne die fundamentale Bedeutung der Menschlichkeit in den Mittelpunkt gerückt werden.

A. Schießl