Crashkurs Politik

Demokratie-Werkstatt 2018

Darf uns das Vorleben der Wurst „wurscht“ sein? Genauer: Sollte es ein Tierwohl-Etikett geben? Wie kann man Radfahrer-Unfälle beim Rechtsabbiegen von LKWs vermeiden? Sollte man nicht uns Verbrauchern selbst überlassen, wie wir mit Plastik beim Einkauf umgehen? Sollten Eltern von Kindern gezwungen werden, ihre Schützlinge gegen Masern zu impfen, um eine Ansteckungsgefahr in Kindergärten zu unterbinden?

Solche und ähnliche Fragen nahm Friedrich Wölfl, vormals Gymnasiallehrer für politik- und sozialwissenschaftliche Fächer, als Ausgangspunkt, um Schülern einen Crashkurs Politik zu bieten, als er eine neunte Klasse des Stiftland-Gymnasiums Tirschenreuth besuchte. Die Aktion fand im Rahmen der „Demokratie-Werkstatt für alle“ des Netzwerks Inklusion im Landkreis Tirschenreuth statt und wird über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert.

Ob Tierwohl-Etikett, Toter-Winkel-Warner, höhere Besteuerung von Plastik oder Impfpflicht – Anhand all dieser Themen lässt sich leicht nachvollziehen, dass es strittig ist, ob die Politik eingreifen und eine gesetzliche Regelung dazu treffen oder lieber jeder für sich entscheiden können soll. Darauf aufbauend ging der Referent mit anschaulichen Materialien darauf ein, was man unter Politik genau versteht, wer in der Politik Entscheidungen trifft und wie man sich selbst einmischen kann. Dabei wurde den Schülern auch vor Augen geführt, wie wichtig in einer Demokratie Wahlen sind. Und nach welchen Regeln läuft das alles ab? Um das zu verstehen, muss man die „Hausordnung“ für unser Zusammenleben kennen, also das „Grundgesetz“ und seine demokratischen und rechtsstaatlichen Vorgaben.

„Demokratie ist nicht einfach“, resümierte Friedrich Wölfl, „aber nur wer Grundlagen und Zusammenhänge kennt, kann verstehen, warum es ständig Auseinandersetzungen geben muss und manche Lösung eines Problems lange dauert.“ Allerdings ist dieses Verständnis das beste Mittel, um sich gegen zu simple und unrealistische Lösungsvorschläge wie auch gegen Vereinfacher im politischen Raum zu wappnen. Wissen ist nötig, um Politik zu verstehen und das Gemeinwesen ggf. als Staatsbürger mitgestalten zu können. Er sei optimistisch und hoffe, dass viele junge Leute den Satz kennen: „Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ Und deswegen möglichst viel wissen wollen. Deshalb engagiert sich Friedrich Wölfl auch so sehr in diesem Bereich, weil er in den Kursen der Demokratie-Werkstatt die Chance für Schulen sieht, der Politischen Bildung mehr Gewicht zu verschaffen.

So können sich die Schüler zu mündigen Bürgern entwickeln, die aktiv ihre Umgebung mitgestalten und sich kritisch mit aktuellen Problemen auseinandersetzen können – ob mit dem Tierwohl-Etikett, dem Toter-Winkel-Warner, der Impfpflicht oder einem anderen Thema, mit dem sie in der Zukunft konfrontiert sein werden.

A.    Schießl